Mit einem Kredit zur Bildungsunternehmerin

Joana Benyin und Rebecca Newman haben Mikroschulen gegründet
Von Brigitte Meiners
Jever/Tweapase/Dunkwa – Joana Benyin ist keine Frau von großen Worten. Schüchtern wirkt sie, sie steht nicht gerne im Mittelpunkt. Doch sie ist eine Frau der Tat. Vor sechs Jahren kam der achtfachen Mutter die Idee, eine eigene kleine Schule zu gründen. Mitten im Urwald. „Ich wollte, dass es den Kindern besser geht als mir“, beschreibt die 42-Jährige, die selbst weder lesen noch schreiben kann, ihre Motivation.
Und als sie von dem „Microschool-Programm“ erfuhr, für das sich Opportunity International engagiert, gab es für die zupackende Frau kein Halten mehr. 40 Euro bekam sie auf Kreditbasis. Dafür legte sie einen Brunnen auf einem kleinen, gerodeten Stück Land an. Und dann ging es los.
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Joana Benyin

Joana baute eine Urwaldschule auf, die sie „God first“ nannte. Mit neuen Krediten, die sie wie den ersten pünktlich zurückzahlte, erstellte sie zwei einfache Pfahlbauten mit einem schützenden Dach gegen den Regen, stellte den ersten Lehrer an. Besuchten am Anfang nur eine Handvoll Kinder die Schule von Joana, so wurden es im Laufe der Zeit immer mehr. Denn die nächste öffentliche Schule ist weit entfernt.
Zwischen der Gründungsidee und heute liegen sechs Jahre. Sechs Jahre, die Joana nicht missen möchte, sechs Jahre, die aber auch ein Auf und Ab gebracht haben. Denn immer wieder gab es neue Schwierigkeiten zu überwinden. In den besten Zeiten wurden 150 Kinder in der Urwaldschule unterrichtet, heute sind es nur noch 60. Und von den drei Lehrern waren an diesem schwülheißen Tag nur zwei erschienen. „Für die Kinder ist der Weg immer noch zu weit“, erklärt Joana. Deshalb müsste sie einen Bus anschaffen. Ein Bus aber rückt in weite Ferne, wenn sie von weniger Kindern als geplant das Schulgeld bekommt. Doch Joana wäre nicht Joana, wenn sie die Probleme nicht in den Griff bekäme. Denn das übergeordnete Ziel ist wie eine Triebfeder: Die Kinder sollen eine Schulbildung bekommen, ist doch Bildung der Schlüssel gegen die Armut.
Eine Autostunde entfernt in Dunkwa lacht Rebecca Newman ihr breites Lachen und nimmt einen kleinen Jungen auf den Arm, dem die Tränen über das Gesicht kullern. Rebecca, Frau des Gemeindepfarrers, ist die Gründerin der „New Love School“ und der Zweijährige geht in die Kinderkrippe, die neben dem Kindergarten, der Vorschule und den ersten drei Grundschulklassen zur Schule gehört.
Schule
Rebecca Newman

Über 300 Jungen und Mädchen finden sich hier täglich ein. Zwei feste Schulgebäude gibt es bereits, das dritte ist im Bau. Finanziert werden soll es durch einen weiteren Mikrokredit, den Rebecca sich erhofft. Bislang hat sie in drei Raten insgesamt 1750 Euro bekommen und damit die Schule immer weiter ausgebaut. Sogar ein kleiner Bus konnte angeschafft werden, der die Kinder bereits morgens um sechs zu Hause abholt. Denn in der New Love Schule beginnt der Unterricht früh – ein Vorteil für die Mütter, die bis um 15 Uhr unbesorgt einer Erwerbstätigkeit nachgehen können.
Die 47-jährige Rebecca, die sich neben der Schule auch um zwei eigene und sechs Pflegekinder kümmert, geht jeden Tag aufs Neue mit Gottvertrauen  an die Arbeit . Sie ist im Laufe der Zeit zur Managerin eines kleines Bildungsunternehmens avanciert, in dem auch Arbeitsplätze entstehen: Sieben Lehrer und Lehrerinnen sind mittlerweile hier beschäftigt, außerdem gibt es drei Helferinnen, die nicht nur die „Mensa“ der Schule am Laufen halten: Jeden Mittag gibt es nämlich eine warme Malzeit.
Die Ausstattung der Schule ist dürftig:  Wandtafel, alte Holzbänke und wenn`s hoch kommt ein paar in die Jahre gekommene Fibeln. Dafür ist die Disziplin der Kinder, die alle in Schuluniform in ihren Bänken hocken, um so größer: Ob der Rohrstock, der in der Ecke steht, dies fördert oder die Einsicht, in der Schule wirklich etwas lernen zu können, sei dahin gestellt.
Den Kindern jedenfalls eröffnet der Schulbesuch neue Wege, die zwar auch auf den kostenlosen öffentlichen Schulen erreicht werden könnten. Doch diese sind mit Schulklassen bis zu 80 Schülern häufig stark überfüllt und für viele einfach zu weit entfernt.
Und die Eltern zahlen das Schulgeld für die private Schule in der Hoffnung, dass ihre Kinder es einmal besser haben.  Wenn wirklich einmal ein finanzieller Engpass entstehen sollte, dann lässt Rebecca mit sich reden. In der „New Love School“ gibt es sogar zehn schulgeldfreie Stipendiatsplätze.
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